Donnerstag, 5. April 2012

Wünsche und Ziele

Ich habe mich vor ein paar Jahren (nach einigen Recherchen zu Ausbildungen rund um die Psychologie) entschlossen die Prüfung zum Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie, auch kleiner Heilpraktiker genannt, ab zu legen. Eine staatliche Zulassung und ein anerkannter Abschluss waren mir wichtig.
Die Ausbildung machte Spaß und ich bekam nur sehr gute Noten meiner Prüfer. Doch irgendwie war das nicht das was ich gesucht hatte. Statt zu erfahren wie Menschen funktionieren und wie man ihnen helfen kann, lernte ich Krankheiten kennen, die ich nicht behandeln wollte und später auch nicht behandeln durfte. Dazu Medikamente und deren Einsatzmöglichkeiten, die ich später weder einsetzen wollte und durfte, noch jetzt in meinen Kopf hinein bekam.
Die Heilpraktiker Prüfung ist eine Gefahrenprüfung. Nicht Wissen und Können werden meiner Meinung nach geprüft, sondern ob jemand gut Sachen auswendig lernen kann und dem Gesundheitsamt glaubhaft machen kann, dass er oder sie dieses Wissen auch nie anwenden wird.
Ich fühlte mich jedenfalls zunehmend unwohl. DAS konnte es doch nicht gewesen sein. Ein Zeugnis, das versichert, dass ich keine Gefahr dar stelle wollte ich nicht haben. Bisher habe ich Zeugnisse bekommen für Leistungen und für das was ich kann, zudem wollte ich doch mehr über Menschen lernen.
Und nun?
Ein Rückschlag? Nein, nur eine Neuausrichtung. Also nochmals zurück auf Anfang.
Was will ich denn? Was kann ich? Und was brauche ich noch?
Klingt eigentlich ganz einfach. Ist aber im Gegenteil ziemlich anspruchsvoll, wenn man sich diese Fragen stellt und auch beantworten will.
Für viele ist es erst einmal leichter zu formulieren was sie nicht mehr wollen. Doch was will ich stattdessen?  Über diesen Umweg kommt man den eigentlichen Wünschen und Zielen näher. Brauche ich noch etwas, um meine Wünsche auch zu verwirklichen?
Gerade jetzt  und durch die Finanzkrise ist die Zeit schwierig sich in dem unüberschaubaren Dschungel von Möglichkeiten zu Recht zu finden. Nie zuvor standen jedem von uns so viele Möglichkeiten sich beruflich und persönlich selbst zu verwirklichen zur Verfügung wie heute. Vielleicht ist dies nicht jedem bewusst, aber auch nach Jahren in einem erlernten Beruf kann man nochmals was ganz neues beginnen. Was uns daran aber manchmal hindert, sind die vermeintlichen Sicherheiten, die uns davon abschrecken „zuviel“ zu riskieren. Aber was ist zuviel und wie sicher sind denn diese Sicherheiten. Vielen grossen Firmen ging es bis vor Kurzem sehr gut und trotzdem bangen heute viele um ihren ehemals sicheren Job.
Haben Sie auch schon mal darüber nachgedacht, was Sie wirklich wollen vom Leben? Und waren Sie vielleicht auch ein bisschen überfordert, weil Sie sich dann nicht entscheiden konnten?
Wenn ich wissen möchte, welche Wege im Leben ich noch einschlagen könnte und ob der gewählte der richtige ist, bringt es mir recht wenig, wenn ich darüber im stillen Kämmerlein nachdenke. Wichtiger ist es sich mit Freunden, Familie und Menschen zu unterhalten, deren Rat mir helfen kann, mich weiter bringt und mir neue Richtungen aufzeigt. Ich muss neue Dinge kennen lernen, meinen Horizont erweitern, dazu lernen und Erfahrungen sammeln, um meinen Platz erstmal zu bestimmen. Allein durch Nachdenken findet man Hinweise und Anhaltspunkte, in welcher Richtung man weitersuchen könnte, aber was Sie wirklich wollen, finden Sie nur durch Ausprobieren. Woher sollte ich z.B. vorher wissen, dass mich die amtsärztliche Heilpraktikerprüfung nicht an mein Ziel bringt, wenn ich es nicht ausprobiere? Heute kann ich aus dieser Erfahrung schöpfen und darauf aufbauen. Wenn ein Weg sich als Sackgasse entpuppt, kann vielleicht gleich daneben ein ganz anderer Weg entstehen.