Freitag, 18. Oktober 2013

"No worries": Wie vereinbaren die Australier Familie und Job?

Liebe Leserinnen,
ich freue mich heute einen Gastbeitrag von Peggy Wandel online stellen zu können.
Peggy Wandel ist selbst berufstätige Mutter zweier Kinder und hat für ihr Buch "Zwischen Karriere und Krabbelgruppe" 20 Frauen aus aller Welt zu ihrer ganz persönlichen Vereinbarkeit von Beruf und Familie befragt. Jede Mutter erzählt in Ich Form, das macht das Buch nicht nur gut lesbar, sondern auch authentisch.
In ihrem Gastbeitrag berichtet Peggy Wandel über Steffi aus Melbourne und wie sie Kind und Karriere unter einen Hut bekommt.


Freuen Sie sich auch auf den zweiten Teil ihres Beitrags, wenn es um ganz konkrete Tipps für berufstätige Mütter geht.

Und nun hat Peggy Wandel das Wort:
Foto: Stefanie Heider


"Bevor ich aus dem Mutterschutz zurückkehrte, bezahlte mir mein damaliger Arbeitgeber einen "Return to work with confidence"-Workshop, zu deutsch: "Selbstvertrauen für den Wiedereinstieg.
Darin sollte ich lernen, wie ich mein berufliches Potenzial auch als Mutter ausschöpfe, wie ich trotz reduzierter Arbeitszeit erfolgreich sein kann und es nach der Rückkehr aus dem Mutterschutz vermeide, bei Gehaltsverhandlungen benachteiligt zu werden", erzählt Steffi aus Melbourne. Da sie wegen des Babys keinen ganztägigen Workshop besuchen konnte, traf sie den Coach stattdessen mehrmals zum Einzelgespräch: "Das war sehr gut und hilfreich für mich".

Auszeit ist für das Unternehmen überbrückbar

Foto: Peggy Wandel
 
Die gebürtige Deutsche arbeitete bis vier Wochen vor der Geburt ihres Sohnes Ben als Marketingmanagerin in einem Konzern. Als ihr Baby ein halbes Jahr alt war, kehrte sie in Teilzeit zurück in ihren Beruf. "Solange ich mit Ben zu Hause war, übernahmen Kollegen meine Aufgaben. Größere Projekte wie die neue Firmenwebsite wurden bis zu meiner Rückkehr verschoben. Von daher war es gut für das Unternehmen, dass ich kein ganzes Jahr wegblieb. Diese Auszeit ließ sich überbrücken, weil das Tempo hier etwas langsamer ist als ich es von deutschen Firmen her kenne. Zudem lag Weihnachten in meiner Elternzeit und damit die langen australischen Sommerferien. "


Wochenende und Feierabend sind "heilig"
Während wir in Deutschland über eine bessere Work-Life-Balance grübeln, strahlen viele Australier von Haus aus bereits eine beneidenswerte Gelassenheit aus. "Das Wochenende ist den Australiern sozusagen heilig, da lässt man sich im Büro nicht blicken", bestätigt Steffi. Auch unter der Woche werden Überstunden möglichst vermieden. Steffi: "Was das Leben in Australien so angenehm macht, ist die "no worries"-Mentalität. "No worries" heißt wörtlich übersetzt "keine Sorgen", wird aber generell wie "gern geschehen" oder "bitte sehr" verwendet. Die meisten Australier sorgen sich weniger als der Durchschnittsdeutsche und bleiben bei Schwierigkeiten zunächst gelassen".

Wie Frauen weltweit Familie und Job unter einen Hut bekommen
Mehr von Steffi aus Australien und viele weitere spannende Einblicke in das Leben berufstätiger Mütter weltweit vermittelt das Buch "Zwischen Karriere und Krabbelgruppe. 20 berufstätige Mütter aus aller Welt erzählen, wie sie Familie und Job unter einen Hut bekommen". Das Taschenbuch ist eine andere Art von Reiseführer. Es nimmt die Leserinnen und Leser mit in die Welt berufstätiger Mütter in Europa, Indien, Australien, Lateinamerika, den USA und Südafrika. Auf dieser Entdeckungstour wird deutlich: Wir können viel voneinander lernen und dadurch persönlichgewinnen.



BUCHTIPP
Peggy Wandel: 
Zwischen Karriere und Krabbelgruppe
20 berufstätige Mütter aus aller Welt erzählen,
wie sie Familie und Job unter einen Hut bekommen

288 Seiten | Taschenbuch
ISBN 978-3-86265-168-9 |
9,95 EUR (D)